Die Liberalen Juden in Zürich – Tradition und Erneuerung

Likrat Schabbat

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Likrat Schabbat, mit dem ich Sie erreichen möchte, bedeutetet "auf zu Schabbat" und bezieht sich auf ein Zitat von Rabbi Chanina, aufgezeichnet im Talmud Bawli (Schabbat 119a) und aufgenommen in unserem Sidur (S. 67): באו ונצא לקראת שבת המלכה  - „Kommt lasst uns die Königin Schabbat willkommen heissen.“ Ich hoffe aus ganzem Herzen, dass Likrat Schabbat Ihnen hilft, sich auf die wöchentliche Begegnung mit Schabbat zu freuen und Schabbat zu einer speziellen, beruhigenden und vielleicht sogar nährenden Zeit zu gestalten.

Sidra Jitro

Sidra Jitro, 18. Schewat 5778
02.02.2018        18.45    Ma’ariw leSchabbat
03.02.2018        10.00    Schacharit leSchabbat – 40 Jahre Or Chadasch
 
Helden
 
Frage eine willkürliche jüdische Person, welche drei Ereignisse aus der Tora die wichtigsten seien, und sie werden wie aus einem Mund sagen: Die Schöpfung, der Auszug aus Ägypten und die Gesetzes-Offenbarung am Berg Sinai. Die drei Ereignisse sind tief in der kollektiven jüdischen Erinnerung und in die individuelle jüdische Seele eingekerbt. Die Psalmen und liturgischen Texte sind von diesen drei Themen durchzogen, wobei die Anerkennung Gottes als Schöpfer, Erlöser und Gesetzgeber im Zentrum steht. In der jüdischen Tradition symbolisieren Schöpfung, Erlösung und Offenbarung jedoch nicht nur den Zusammenhalt auf Grund einer prägenden Vergangenheit. Sie haben eine auf die Zukunft gezielte Bedeutung bekommen. Mit der Fähigkeit zu schöpfen, sind wir imstande, uns selbst und die Welt um uns herum zu verbessern. Die Offenbarung Gottes ist ein immerwährender Zustand, der uns in den Momenten der Wahl dazu zwingt, das Gute zu wählen. Die Erlösung aus der bedrängten Zeit in Ägypten schöpft Hoffnung auf eine messianische Erlösung.
In der dieswöchigen Sidra Jitro, lesen wir über die Offenbarung der zehn Worte am Berg Sinai. Das Volk steht am Fuss des Berges, auf sicherem Abstand, um von der göttlichen Erscheinung auf dem Gipfel des Berges nicht  getroffen zu werden. Gottes Manifestation ist wuchtig: Der Berg bebt, die Elemente toben, es donnert, blitzt und raucht, ein gewaltiger Schofarton zerschmettert den Himmelsraum. Darüber, was das Volk von dem Text der zehn Worte genau gehört hat, sind sich die Tora Erklärer nicht einig. Manche meinen, die Kinder Israels hätten alles gehört, andere, nur das Wort ‚Anochi‘  - Ich bin -  und wieder andere glauben zu wissen, sie hätten nur den ersten Buchstaben, das Alef - א - (ein stummer Buchstabe) gehört. Wie bei vielen Mizwot in der Tora, ist Gott, der Aussprecher der zehn Worte, in der Ich-Form, der Angesprochene in der Du-Form geschrieben. Das Volk empfing das Gesetz, jede einzelne Person jedoch jedes einzelne der zehn Worte. Das Volk verpflichtete sich der Gesetzestreue, das Individuum des Aufbaues einer gerechten Gesellschaft.  
Vor vierzig Jahren gründete eine Gruppe Gleichgesinnter die Jüdische Liberale Gemeinde Or Chadasch. Ihr Ziel war es, in Zürich ein neues Licht auf das Judentum scheinen zu lassen. Das Judentum, das die Gründergeneration vor Augen hatte, sollte offen und zeitgemäss gelebt werden. Werte nicht Dogmen, sollten das Fundament sein. Mutige Männer und Frauen verabschiedeten sich von ihrer ‚Heimatgemeinde‘ und ebneten den Weg für die Gleichberechtigung der Männer und Frauen im Kultus und in der Führung der Gemeinde. Diese mutigen Männer und Frauen gründeten eine Gemeinde, in der Familien und Individuen, ungeachtet ihrer Zusammenstellung und Veranlagung, willkommen sind. Die neue Gemeinde wurde ein Inbegriff für ‚Tradition und Erneuerung‘, ein Leitbild, das das Judentum seit je her wie kein anderes kennzeichnet. Eine Gruppe von 80 Personen verpflichtete sich als Kollektiv einem Ideal, jedes einzelne Mitglied jedoch, dem Aufbau einer zeitgemässen Normen entsprechenden jüdischen Gemeinde.
Wir haben diesen Pionieren viel zu verdanken. Heute, nach 40 Jahren, kann die von der Aussenwelt respektierte, gut organisierte, weltoffene, tolerante und gleichzeitig traditionelle Gemeinde auf das Konto dieser Helden geschrieben werden.       
Wohl uns, die so viel Gutes erben durften.
Möge der EWIGE uns unaufhörlich inspirieren. Möge das Licht der Or Chadasch unaufhörlich neu bleiben.
 
Schabbat Schalom,
 
Rabbiner Ruven Bar Ephraim 

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