Die Liberalen Juden in Zürich – Tradition und Erneuerung

Likrat Schabbat

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Likrat Schabbat, mit dem ich Sie erreichen möchte, bedeutetet "auf zu Schabbat" und bezieht sich auf ein Zitat von Rabbi Chanina, aufgezeichnet im Talmud Bawli (Schabbat 119a) und aufgenommen in unserem Sidur (S. 67): באו ונצא לקראת שבת המלכה  - „Kommt lasst uns die Königin Schabbat willkommen heissen.“ Ich hoffe aus ganzem Herzen, dass Likrat Schabbat Ihnen hilft, sich auf die wöchentliche Begegnung mit Schabbat zu freuen und Schabbat zu einer speziellen, beruhigenden und vielleicht sogar nährenden Zeit zu gestalten.

Sidra wa'etchanan

Sidra Wa’etchanan – Schabbat Nachamu, 13. Aw 5777
       
04.08.2017                    18.45    Ma’ariw leSchabbat 
05.08.2017                    10.00    Schacharit leSchabbat
 

Text, Inhalt und der Unterschied
 
Wo in der Tora steht geschrieben, dass man an einem Schabbat Kerzen anzündet?
Wo in der Tora steht geschrieben, dass man zwischen Fleischig und Milchig eine oder drei oder sechs Stunden warten muss?
Wo in der Tora steht geschrieben, dass man für eine jüdische Hochzeit eine Ketuba braucht?
Wo in der Tora steht geschrieben, dass die Umwelt geschützt werden soll?
 
Diese und ähnliche Fragen werden oft gestellt und die Antwort darauf ist: Nirgends. Im Laufe der letzten Zweieinhalbtausend Jahren wurde die Tora zum Fundament eines riesigen und komplexen Gefüges, ‚Halacha‘ genannt. Die Halacha umfasst die Mizwot der Tora, jetzt aber mit Erklärungen, Konkretisierungen und Ergänzungen, die eine korrekte Ausführung der betreffenden Mizwa in der Praxis ermöglichen sollten. Die talmudischen Rabbinen und ihre Nachfolger bis zum heutigen Tag, erkennen sich die Kompetenz zu, der Tora Mizwot zuzufügen, abzusprechen und gegenwärtige Erklärungen und Ergänzungen anzuführen. Der Grund für die Autorität der Rabbiner (die talmudischen Rabbiner werden Rabbinen genannt) ist der Tora selber zu entnehmen (Dewarim 17, 9-11): „Dann sollst du zu den Priestern aus dem Stamm Levi oder zu dem Richter zu dieser Zeit gehen und sie um Rat fragen. [ …]An die Weisung, die sie dir geben und an das Recht, das sie dir verkünden, musst du dich halten. Du darfst in keiner Hinsicht von ihrem Urteil abweichen“.

Wie verhält sich die oben gegebene Anweisung mit dem Vers aus der dieswöchigen Sidra Wa’etchanan: „Ihr sollt nichts hinzufügen zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davon wegnehmen, sondern ihr sollt die Gebote des EWIGEN, eures Gottes, halten, die ich euch gebe“ (Dewarim 4, 2)?  Laut Raschi bedeutet es, dass man weder fünf statt vier Pflanzensorten im Lulaw zusammenbinden, noch fünf statt vier Zizijot an sein Kleid knüpfen darf. Aber auch nicht weniger. Ramban sieht die rabbinischen Erweiterungen nicht als zugefügte Mizwot sondern als einen ‚Zaun‘, der das Einhalten der Mizwot sichert.  Man kann das Verbot die Mizwot zu ändern auch als Verbot verstehen, den Text zu ändern. Es soll also kein Wort hinzugefügt und keines gestrichen werden. Ohne dieses Verbot, den Text zu ändern, könnten wir den Kapiteln (in Wajikra) über Opferdienste zufügen, dass wenn kein Tempel vorhanden ist, man das Opfer durch das Gebet ersetzen kann.  Auch könnten wir die Passage, dass man einen rebellierenden Sohn töten muss, streichen (Dewarim 21, 18), da die Rabbinen ohnehin schon bemerkten, dass es nie einen rebellierenden Sohn gegeben hat und nie einen geben wird. (Talmud Bawli Sanhedrin 61a). Die unangenehme Geschichte, in der sich die Kinder Jisrael ein goldenes Kalb geschmolzen und es als Gott verehrten (Schemot 32), könnte man, wenn schon, auch aus der Tora schneiden. Und schon gar nicht zu sprechen von den Texten, in denen Frauen als minderwertig und rechtlos dargestellt oder brutal behandelt werden.

Für mich ist es wichtig daran festzuhalten, dass der Toratext bleibt wie er ist, dass wir nichts ändern, nichts zufügen und nichts auslassen.  Mit den vielen schwierigen Textstellen, die uns konfrontieren und denen wir uns vehement entgegenstellen, müssen wir uns in der Debatte auseinandersetzen. Seit Zweitausend Jahren hat jede Generation die Erklärungen, Ergänzungen, Interpretationen und Hinweise angepasst ohne auch nur einen Buchstaben des Toratextes zu verändern.  Bemerkenswert ist, dass die Erklärungen und Ergänzungen über die Jahrtausende hinaus strikter und rigider wurden. Das liberale Judentum will einen Weg, eine Halacha, finden, wobei der Toratext und der ganze Korpus rabbinischer Erklärungen und Entscheidungen, und die Verhältnisse unter denen wir leben, in Betracht genommen werden. Damit nimmt das Liberale Judentum die ursprüngliche Tradition wieder auf.
 
Schabbat Schalom
 
Rabbiner Ruven Bar Ephraim

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