Die Liberalen Juden in Zürich – Tradition und Erneuerung

Likrat Schabbat

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Likrat Schabbat, mit dem ich Sie erreichen möchte, bedeutetet "auf zu Schabbat" und bezieht sich auf ein Zitat von Rabbi Chanina, aufgezeichnet im Talmud Bawli (Schabbat 119a) und aufgenommen in unserem Sidur (S. 67): באו ונצא לקראת שבת המלכה  - „Kommt lasst uns die Königin Schabbat willkommen heissen.“ Ich hoffe aus ganzem Herzen, dass Likrat Schabbat Ihnen hilft, sich auf die wöchentliche Begegnung mit Schabbat zu freuen und Schabbat zu einer speziellen, beruhigenden und vielleicht sogar nährenden Zeit zu gestalten.

Sidra Schemini

Sidra Schemini, 26. Nissan 5777
21.04.2017                  18.45   Ma’ariw  leSchabbat
22.04.2017                  10.00   Schacharit  leSchabbat  - Schabbat Limmud

Versteinerte Begriffe aus der Tempelzeit?
Am  Anfang der dieswöchigen Sidra Schemini  lesen wir über die Feier die am achten (schemini) Tag im Mischkan, dem Stiftzelt, gehalten wurde. Mosche gibt Aharon und dessen Söhne Hinweise darüber, wie sie sich zu verhalten haben. Sie dürfen z.B. – wenn im Amt – keinen Alkohol trinken, da sie damit die Fähigkeit verlieren würden, zwischen Geheiligtem und Profanem und zwischen Reinem und Unreinem zu unterscheiden, was eine absolute Notwendigkeit war für den richtigen Vollzug des TempelritualsKodesch, das Geheiligte, war Teil des Tempelrituals. Chol, das Profane, davon ausgeschlossen. An Schabbat, Feiertagen und allen anderen Tagen wurden z.B. je andere Opfer dargebracht.
Was bedeutet geheiligt, kodesch, für uns, was profan, chol?  Wir verteilen die Zeit in der jüdischen Tradition in geheiligte und profane Zeit. Schabbat und Feiertage sind kodesch, d.h. geheiligte Zeit. Wir markieren den Übergang von der profanen in die geheiligte Zeit mit dem Anzünden der Kerzen und umgekehrt mit der Hawdala Zeremonie. In Bezug auf die Qualität der unterschiedlichen Zeiten sollten wir die Aktivitäten, die unseren Alltag, die profane Zeit, kennzeichnen, in der geheiligten Zeit unterlassen.
Die Begrifflichkeiten tahor, rein und tame, unrein, beziehen sich nicht auf sauber und schmutzig, sondern darauf, ob etwas für das Tempelritual als geeignet oder ungeeignet gesehen wurde. Die Qualifikation ‚geeignet‘ oder ‚ungeeignet‘ konnte sich auf Menschen (z.B. krank), Tiere (z.B. missgebildet) oder Gegenstände (z.B. falsche Kleidung) beziehen. Welche Bedeutung haben tahor, rein und tame, unrein heute noch? Meines Erachtens können wir mit diesen ‚Massstäben‘ unser Benehmen beurteilen. Wir können und sollen uns jederzeit, aber insbesondere in der Zeit der Hohen Feiertage, einen Tiefblick in unser Benehmen gönnen und uns die Frage stellen, ob wir in Bezug auf unser Verhalten das Prädikat tahor oder tame verdienen.
Wir tun gut daran, uns ständig in der Fähigkeit zu üben, einen Unterschied anbringen zu können zwischen geheiligter (sich selbst überlassener) und profaner (vollgeplanter) Zeit einerseits und zwischen reinem (Wohl schaffendem) und unreinem (verletzendes) Verhalten andererseits. Nicht damit es uns immer gelingt (wir sind ja ‚nur‘ Menschen), schon aber um der Freude sowohl als auch der Reue einen Platz in unserem Leben einzuräumen.
Oder mit dem Gebet des amerikanischen Theologen, Reinhold Niebuhr (1892-1971): „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Schabbat Schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim

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