Die Liberalen Juden in Zürich – Tradition und Erneuerung

Likrat Schabbat

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Likrat Schabbat, mit dem ich Sie erreichen möchte, bedeutetet "auf zu Schabbat" und bezieht sich auf ein Zitat von Rabbi Chanina, aufgezeichnet im Talmud Bawli (Schabbat 119a) und aufgenommen in unserem Sidur (S. 67): באו ונצא לקראת שבת המלכה  - „Kommt lasst uns die Königin Schabbat willkommen heissen.“ Ich hoffe aus ganzem Herzen, dass Likrat Schabbat Ihnen hilft, sich auf die wöchentliche Begegnung mit Schabbat zu freuen und Schabbat zu einer speziellen, beruhigenden und vielleicht sogar nährenden Zeit zu gestalten.

Sidra wajakhel-pekudej - schabbat hachodesch

Sidra Wajakhel-Pekudej, Schabbat HaChodesch, 27. Adar 5777
         
24.03.2017                           18.45     Ma’ariw leSchabbat
25.03.2017                           10.00     Schacharit leSchabbat – Schabbat Limud

Erstaunenswerte Lehre
Jedes Mal wenn ich im Tanach, in der Hebräische Bibel lese, staune ich aufs Neue: Darüber, dass die Texte viele Jahrhunderte überlebt und sie sich während dieser Zeit – das zeigen die Funde der Zweitausend alten Toten- Meer Rollen – kaum geändert haben. Aber auch über den Inhalt. Der Tanach beschäftigt sich mit der Sinngebung des Lebens einer einzelnen Person sowohl als auch mit dem Zusammenhalt der Gesellschaft. Bemerkenswert ist es, dass der Tanach keine Tabus kennt. Alle Aspekte des Lebens passieren Revue: Feiertage, Kultabläufe, Arbeitsrecht, Armenrecht, Strafrecht und Zivilrecht, Machtausübung und Kriegsführung, Liebe und Hass, Lug und Betrug, Elend und Trauer, Reinheit und verbotene Beziehungen, Tiersorge und Heilkunde und vieles mehr. Die Anwesenheit des EWIGEN spielt dabei immer, wenn auch manchmal im Hintergrund, eine allgegenwärtige Rolle. Ich staune über die Grausamkeit mancher Gesetze und Strafen, gleichwohl aber auch über den Aktualitätwert vieler davon. Ich staune über die Unverständlichkeit mancher Stellen gleichwohl aber auch über die Akkuratesse vieler Beschreibungen. Das Staunen, das mich jedoch am meisten befriedigt, gilt der Gegebenheit, dass ich jedes Mal, wenn ich einen immer wieder gelesenen Text lese, etwas Neues darin entdecke.

Dieser Schabbat, Hachodesch genannt, ist speziell. Es ist der Schabbat vor dem Monatsanfang Nissan, der Monat, in dem Pessach gefeiert wird. Der Name Hachodesch ist dem Abschnitt, den wir als Maftir (letzte Alija) lesen, entnommen. Wir lesen über die Vorbereitungen, die die Israeliten in Ägypten, am Vorabend des Auszuges, treffen. 

Die dieswöchigen Sidrot – diese Woche sind es zwei: Wajakhel und Pekudej – beschreiben den Bau des Mischkan, des tragbaren Tempels in der Wüste. Auch dieser Text erfüllt mich wiederum mit grossem Erstaunen. Die Israeliten werden aufgefordert Materialien für den Bau des Mischkan zu spenden. Die Einnahme der Spenden ist professionell organisiert. Die Spenden-Verwalter berichten Mosche, dass sich genügend Materialien im Lager befinden und, dass die Israeliten das Spenden einstellen können. Man bedenke, dass es um teilweise sehr wertvolle Materialien wie Gold, Silber, Felle, Edelsteine, Akazienholz und gefärbte Stoffe geht. Die Botschaft: Man soll lediglich für das Projekt benötigte Spenden fordern, d.h. nicht habgierig sein. Die zweite Stelle, die mich staunen lässt, ist, dass Mosche Rede und Antwort steht darüber, wie man die unterschiedlichen Spenden angewendet habe. Sehr präzise werden die Materialien und wozu sie benützt wurden, aufgelistet. Die Botschaft: Nichts von den Spenden ist unrechtmässig zur Seite geschaffen. Anständige Leitung und Verantwortung darüber, wie Spenden angewendet werden, sind keine Werte, die man in der antiken Welt erwarten würde. Im Gegenteil, es sind schlechthin moderne und äusserst aktuelle Themen. Wir kennen die lange Liste der Staaten, Firmen, Organisationen und Leiter, auf die die Qualifikation ‚unanständige Leitung‘ und ‚betrügerische Verwaltung‘ zutreffen. Die Tora zeigt uns, dass man sich schon im antiken Judentum mit Normen wie ‚anständige Leitung‘ und ‚zuverlässige Verwaltung‘ befasste. Normen, die es offenbar der Mühe wert waren um in die Lebenslehre der Jehudim aufgenommen zu werden.

Schabbat schalom,

Rabbiner Ruven Bar Ephraim
 
PS: Unsere Gemeinde kann sich seit ihrer Gründung einer anständigen Leitung rühmen. 
 

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