Die Liberalen Juden in Zürich – Tradition und Erneuerung

Likrat Schabbat

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Likrat Schabbat, mit dem ich Sie erreichen möchte, bedeutetet "auf zu Schabbat" und bezieht sich auf ein Zitat von Rabbi Chanina, aufgezeichnet im Talmud Bawli (Schabbat 119a) und aufgenommen in unserem Sidur (S. 67): באו ונצא לקראת שבת המלכה  - „Kommt lasst uns die Königin Schabbat willkommen heissen.“ Ich hoffe aus ganzem Herzen, dass Likrat Schabbat Ihnen hilft, sich auf die wöchentliche Begegnung mit Schabbat zu freuen und Schabbat zu einer speziellen, beruhigenden und vielleicht sogar nährenden Zeit zu gestalten.

Sidra Mikez

Sidra Mikez, Schabbat Chanukka, 28. Kislew 5778
       
15.12.2017                    18.45    Ma’ariw leSchabbat – Chanukka Potluck
16.12.2017                    10.00    Schacharit leSchabbat

Die Rabbinen lehrten: Als Adam der erste Mensch die Tage fortschreitend abnehmen sah, sprach er: “Wehe mir, vielleicht wird nun die Welt, weil ich gesündigt habe, verfinstert und wird zurück in Leere und Öde verwandelt; das ist also der Tod, der im Himmel über mich verhängt worden ist!“ Da stand er auf und verweilte acht Tage im Fasten. Als aber der Wendepunkt des Tewet eintrat und er die Tage fortschreitend zunehmen sah, sprach er: „Das ist also der Lauf der Welt. Da ging er und machte acht Tage zu Festtagen (Talmud Bawli Gittin 8a).

In obenstehender Legende wird begründet warum wir Feste, u.a. Chanukka, feiern. Für Adam war Chanukka gemäss der oben aufgeführten Quelle ein Mittwinterfest mit dem der kommende Sommer gefeiert wurde. Chanukka wird auch Chag Urim, Fest des Lichtes, genannt. Bis heute wird die dunkle Zeit auch mit Licht, mit dem hellbeleuchteten Tannenbaum und verzierten Häusern und Strassen gefeiert. ‚Lucy‘ auf der Zürcher Bahnhofstrasse ist ein wahres Lichtfest. Für die meisten Juden ist Chanukka jedoch mit dem Sieg der Makkabäer verbunden, die Familie, die den Aufstand gegen die die Syrisch-Hellenistische Besatzung anführte und die Soldaten besiegte. Die Besatzung bedeutete nicht schlechthin Fremdherrschaft. Für die Juden war sie ein wahrer Schrecken. Es wurde ihnen verboten, den Schabbat und die Feiertage einzuhalten, Tora zu lehren und die Brit Mila auszuführen. Als wäre dies nicht schon genug, wurden die Juden darüber hinaus gezwungen, den hellenistischen Göttern zu dienen, Schweine zu opfern und zu verspeisen. Manche Juden adoptierten – aus Angst, aus Bequemlichkeit oder aus Überzeugung, wir wissen es nicht – den hellenistischen Lebensstil. Die rebellischen Makkabäer bekämpften die griechischen Soldaten und die hellenisierten Juden.

Unter der Anführung des Jehuda Makkabi eroberten die Makkabäer besetzte Gebiete zurück, darunter Jerusalem. Zwei Jahre nach der Verunreinigung des Tempels und Ausschaltung des Tempeldienstes betraten die Freiheitskämpfer den verlassenen und desolaten Tempel. Sie bearbeiteten acht herumliegende Eisenstäbe, die sie mit Dochten und Öl anzündeten. (Pesikta Rabbati 2, 1).

Eine andere Geschichte erzählt davon, wie die Makkabäer die Stadt von allen Gegenständen säuberten, die auf den hellenistischen Götzendienst hinwiesen und daraufhin den Tempel mit seinen Altären, seinem Leuchter und Tisch für die Schaubrote einweihten. Man feierte die Einweihung acht Tage lang, da die Juden einige Monate zuvor, versteckt in den Bergen, acht Tage Sukkot gefeiert hatten. ( 2. Makkabäer 10, 1-8).  

Das einzige Wunder, von dem in den aufgeführten Quellen die Rede ist, betrifft den militärischen Sieg, der auch in unserem Siddur (HaAwoda Schebalew, S. 15-16) aufgezeichnet ist: „Du aber, in deinem grossen Erbarmen, standest ihnen bei in der Zeit ihrer Not, strittest ihren Streit, führtest ihre Rechtssache, liefertest Mächtige in die Hand von Schwachen, und Zahlreiche in die Hand von Wenigen, und Übeltäter in die Hand der Söhne Deines Bundes.“

Ein Wunder hat sich durchgesetzt: Das Öl-Wunder. Das Öl-Krüglein, das die Befreier im Tempel fanden, enthielt Öl für einen Tag, liess den Leuchter aber acht Tage brennen, das ist die Zeit, die es brauchte, um neues Öl zu produzieren. Diese Öl-Wunder-Legende, die wir im Talmud finden (Talmud Bawli Schabbat 22a), kann als eine Verurteilung des Krieges im Allgemeinen und ganz ausdrücklich der Makkabäer-Revolte interpretiert werden. Die talmudischen Rabbinen verachteten die Makkabäer, da Hyrkanos, einer aus ihrer Mitte, sich zum König krönte. Gemäss dem Tanach muss ein König des Volkes Israel ein Nachkomme des Hauses David sein. Die Makkabäer waren Priester und demnach keine Davididen. Die Verachtung der talmudischen Rabbinen bezieht sich auch auf die Tatsache, dass sich schon die zweite Generation der Makkabäer weitgehend hellenisiert und fremden Göttern gedient hatte.   

Warum feiern wir Chanukka? Warum zünden wir Kerzen an? Warum dauert das Fest acht Tage? Die unterschiedlichen Quellen geben unterschiedliche Antworten. Ich feiere Chanukka als ein Mittwinterfest, an dem die Channukija Licht bringt. Das Licht erhellt die Dunkelheit um uns und in uns. Das Licht ist gleichermassen ein Symbol für die Befreiung aus der Unterdrückung. Ob es fremde Herrscher sind oder die zelotischen Juden, die uns unterdrückten, hat heute kaum mehr Relevanz. Für mich bezieht sich das Wunder auf das Bestehen des jüdischen Volkes. Philister, Assyrier, Babylonier, Griechen, Römer, Spanier, Polen, Russen, Deutsche und Völker im Nahen Osten versuchten uns auszurotten. Wir sind aber da. Wenn das kein Wunder ist.

Chag Urim und Chanukka sameach!

Schabbat schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim  

 

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