Die Liberalen Juden in Zürich – Tradition und Erneuerung

Likrat Schabbat

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Likrat Schabbat, mit dem ich Sie erreichen möchte, bedeutetet "auf zu Schabbat" und bezieht sich auf ein Zitat von Rabbi Chanina, aufgezeichnet im Talmud Bawli (Schabbat 119a) und aufgenommen in unserem Sidur (S. 67): באו ונצא לקראת שבת המלכה  - „Kommt lasst uns die Königin Schabbat willkommen heissen.“ Ich hoffe aus ganzem Herzen, dass Likrat Schabbat Ihnen hilft, sich auf die wöchentliche Begegnung mit Schabbat zu freuen und Schabbat zu einer speziellen, beruhigenden und vielleicht sogar nährenden Zeit zu gestalten.

Sidra Emmor

Sidra Emmor, 17. Ijar 577  
12.05.2017                  18.45   Ma’ariw leSchabbat
13.05.2017                  10.00   Schacharit leSchabbat

Ein Hässlicher und ein Talmud Gelehrter
Eines Tages tritt kam Rabbi Elasar ben Rabbi Schimon aus Migdal Gedor aus dem Hause seines Lehrers. Er ritt auf seinem Esel dem Flussufer entlang und war gut gelaunt, denn er hatte sich an diesem Tag besonders gefreut mit dem aus der Tora Gelernten. Er stiess auf einen hässlichen Mann, der ihn grüsste: „Friede sei mit dir, Meister!“ Rabbi ben Elasar erwiderte seinen Gruss mit den Worten: „Wicht, wie hässlich bist du doch; sind vielleicht alle Leute deiner Stadt so hässlich wie du?“. Der Hässliche erwiderte: „Ich weiss es nicht; geh lieber zum Meister, der mich erschaffen hat, und sprich zu ihm: „Wie hässlich ist doch dies Geschöpf, das du erschaffen hast!“ Als er sich seiner Sünde bewusst wurde, stieg Rabbi Elasar vom Esel herunter, warf sich vor ihm nieder und sprach: „Ich beuge mich vor dir, verzeihe mir!“ Der Hässliche: „Ich verzeihe dir nicht eher, als bis du zum Meister, der mich erschaffen hat, gehst und zu ihm sprichst: „Wie hässlich ist dieses Geschöpf, das du erschaffen hast!“ Er folgte dem Rabbi bis in die Stadt und die Leute begrüssten ihn mit den Worten: „Friede sei mit dir, o Meister, o Lehrer!“ Der Hässliche fragte: „Wen nennt ihr Meister?“ Die Leute: „Den da, der hinter dir geht.“ Der Hässliche: „Wenn er ein Lehrer ist, möge es nicht viel seinesgleichen in Jisrael geben.“ Die Leute: „Weshalb denn?“ Darauf erzählte er ihnen wie Rabbi ben Elasar ihn beleidigt hatte.  Hierauf die Leute: „Bitte verzeihe ihm doch, denn er ist ein in der Tora sehr bedeutender Mann.“ Der Hässliche: „Euretwegen verzeihe ich ihm,  jedoch unterlasse er solches in Zukunft“ (Talmud Bawli Ta’anit 20a/b).
Die dieswöchige Sidra Emmor, beschäftigt sich unter anderem mit dem Aussehen des Menschen, genauer gesagt, mit dem Aussehen der Priester. Wir lesen zum Beispiel, dass ein Priester einen makellosen Körper haben muss, um im Tempel amtieren zu dürfen (Wajikra 21, 17-21). Sicher, ein Gebrechen ist nicht das Gleiche wie ein hässliches Aussehen, wovon in der Talmudgeschichte die Rede ist. Was beide jedoch gemein haben, ist die Reaktion aus der Umgebung. Man wird angestarrt oder mit übertrieben freundlicher Miene bevormundet. Manche gehen dem Hässlichen oder Gebrechlichen lieber aus dem Weg und Andere haben Angst, sich anzustecken, da sie eine Krankheit hinter dem ‚anderen‘ Aussehen vermuten. Richtig falsch wird es aber, wenn Leute dem Aussehen Charakterzüge entnehmen.
Die verlangte Makellosigkeit der Priester kann ich im Rahmen der damaligen Zeit einigermassen verstehen. Wie das Ritual, soll auch der Tempelbeamte, der das Volk vor Gott vertritt, makellos sein. 
Rabbi Elasar war grob und unverschämt. Spannend finde ich jedoch die Tatsache, dass die Talmud Redaktoren die Geschichte scheinbar wichtig genug fanden, um sie im Talmud aufzunehmen. Trotz seiner Grösse und Wichtigkeit fehlte es ihm grundsätzlich an Anstand. Die Redaktoren wollten mit der Geschichte vielleicht zeigen, dass ein als  hässlich Beurteilter gleichwohl die Grösse hat, dem, der ihn verletzte, zu vergeben, wohingegen die Seele eines grossen Talmud Gelehrten klein und hässlich sein kann.

Schabbat Schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim

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