Die Liberalen Juden in Zürich – Tradition und Erneuerung

Likrat Schabbat

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Likrat Schabbat, mit dem ich Sie erreichen möchte, bedeutetet "auf zu Schabbat" und bezieht sich auf ein Zitat von Rabbi Chanina, aufgezeichnet im Talmud Bawli (Schabbat 119a) und aufgenommen in unserem Sidur (S. 67): באו ונצא לקראת שבת המלכה  - „Kommt lasst uns die Königin Schabbat willkommen heissen.“ Ich hoffe aus ganzem Herzen, dass Likrat Schabbat Ihnen hilft, sich auf die wöchentliche Begegnung mit Schabbat zu freuen und Schabbat zu einer speziellen, beruhigenden und vielleicht sogar nährenden Zeit zu gestalten.

Sidra Nizawim-Wajelech

Sidra Nizawim-Wajelech, 25. Ellul 5777
15.09.2017          18.45     Ma’ariw leSchabbat
17.09.2017          10.00     Schacharit leSchabbat
 
Die Elemente toben
 
Zur gleichen Zeit als die Orkane Harvey, Irma, José und Katia die karibischen Inseln, die amerikanischen Bundesstaaten Florida, Texas, Carolinas und Teile von Mexico zerstörten, wüteten in Nepal, Indien und Bangladesch Monsunregenstürme. Wir haben es mit einer nie zuvor registrierten Naturgewalt zu tun: grosse Gebiete sind überschwemmt, Abertausende Menschen fanden den Tod, Millionen Menschen haben Hab und Gut verloren. Infrastrukturen sind zerstört, Wasserquellen verunreinigt und Ernten vernichtet. Hunger und Epidemien drohen. Die Katastrophe ist gross, das Leiden, ob nun in Amerika oder im fernen Osten, allgegenwärtig. Die Möglichkeiten staatlicher Behörden für Hilfeleistungen dahingegen sind unverhältnismässig.  Zwei Katastrophen, je auf der anderen Seite der Welt, haben die Menschheit getroffen. Ist dies ein Zeichen Gottes? Lesen wir nicht zwei Mal pro Tag im zweiten Abschnitt des Schema Jisrael, dass wer sich nicht an die Mizwot halte, bestraft werde, dass extreme Regenfälle und Dürre zu misslungenen Ernten und Hungersnot führen würden?
 
Ich bin nicht der Ansicht, dass wer keine Tefilin legt, sich nicht an die Kaschrutregeln hält oder an Erev Schabbat keine Kerzen zündet, einer Naturkatastrophe ausgeliefert ist. Allerdings weisen Klimaexperten auf einen Zusammenhang zwischen der aktuellen Naturgewalt und unserem Verhalten. Sicher, Monsunregenfälle und Orkane gab es immer schon, das Ausmass davon jedoch ist neu und eine Folge des durch Menschen verursachten Klimawandels.
 
Wir sind, so scheint mir, vom richtigen Weg abgekommen. Den göttlichen Auftrag, die Welt zu erobern und über sie zu herrschen, interpretieren wir in unserer Arroganz offenbar völlig falsch. Wir entreissen der Welt die lebensbedingende Natur. Wir zerstören die Welt. Wir schlagen die uns im Midrasch Kohelet schon vor 1200 Jahren gegebene Warnung in den Wind: „Als der Heilige, gepriesen sei er, den ersten Menschen schuf, nahm er ihn und zeigte ihm alle Bäume im Garten Eden und sagte: Schau wie schön und gut meine Werke sind. Alle habe ich für dich erschaffen. Denke daran, dass du sie nicht zerstörst und meine Welt nicht ruinierst, denn nach dir gibt es niemanden, der sie wieder herrichtet.“ (Midrasch Kohelet Raba 7, 28)
Lasst es uns vornehmen, uns ab dem neuen Jahr aktiv und zielgerichtet für den Erhalt unserer Welt einzusetzen. Mögen wir den Weg finden, die Erde vor ihrem bevorstehenden Schicksal zu retten.
 
Sylvia und ich wünschen allen Lesern und Leserinnen
des Likrat Schabbat ein süsses, gutes und gesundes  5778.
 
Schabbat schalom,
 
Rabbiner Ruven Bar Ephraim

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